Uber oder Free Now: Provisionskosten im Hamburger Vergleich
Die Schicht beginnt um sechs, die Wache am Hauptbahnhof ist um halb sieben voll, und noch vor dem ersten Kaffee pingt das Handy zweimal hintereinander. Free Now zeigt eine Tour in die HafenCity, geschätzt etwa 22 Euro.

Uber meldet eine Fahrt Richtung Flughafen, ohne dass die App verrät, was am Ende wirklich hängenbleibt. Der Unterschied zwischen den beiden Anfragen liegt nicht im Fahrgast, sondern in dem, was nach der Fahrt vom Erlös abgeht. Genau hier beginnt der Provisionsvergleich, der für Hamburger Taxiunternehmer und ihre Fahrerinnen seit Jahren auf dem Tisch liegt.
Free Now: bezifferte Sätze mit Vertragsschliff
Free Now veröffentlicht als Plattform eine Hamburger Taxipreisliste und beziffert darin, was die Vermittlung kostet. In der Fassung mit Stand Oktober 2024 sind es 13 Prozent netto Vermittlungsgebühr pro vermittelter Taxifahrt. Kommt die Bezahlung bargeldlos über die App zustande, schlägt dieselbe Liste zusätzlich zwei Prozent netto auf die Bemessungsgrundlage - das ist in der Regel der Fahrbetrag laut Tarif.
Auf einer normalen 30-Euro-Fahrt bedeutet das im Rechenbeispiel: 3,90 Euro Provision plus 0,60 Euro Zahlungsabwicklung, also 4,50 Euro netto vor Umsatzsteuer auf den Plattformanteil. Das ist nachvollziehbar, nachrechenbar und in einem Dokument hinterlegt, das jeder Vertragspartner einsehen kann. Wer eine eigene Abrechnung prüft, kann die Free-Now-Position direkt zuordnen, ohne raten zu müssen.
So weit ist die Sache klar. Dann beginnt der Vertragstext zu arbeiten. Im Free-Now-Vermittlungsrahmenvertrag ist vorgesehen, dass die Provision auch auf eine anfallende Stornierungsgebühr erhoben wird. Free Now behält sich darüber hinaus eine monatliche Bereitstellungsgebühr und einen monatlichen Mindestumsatz je Taxiunternehmer vor - die konkreten Beträge sind in der überprüften Preisliste allerdings nicht ausgewiesen. Wer hier Klarheit braucht, muss in den eigenen Vertrag schauen, nicht in die öffentliche Liste.
13 Prozent netto Vermittlung, 2 Prozent netto für bargeldlose App-Zahlung - das ist die Standardrechnung von Free Now in Hamburg, Stand Oktober 2024.
Uber in Hamburg: Vermittlung, aber ohne belastbare Zahl
Auch Uber vermittelt in Hamburg lizenzierte Taxis. Die eigene Angebotsseite erklärt, dass Fahrgäste in der App die Option „Taxi" wählen und die Fahrt dann über einen ortsansässigen Taxibetrieb läuft. Damit ist Uber-Taxi in Hamburg grundsätzlich ein vermitteltes Taxiangebot - im Branchenjargon: eine zusätzliche Wache, deren Touren aus dem Funknetz der App statt aus dem eigenen oder dem Zentralfunk kommen. Für den Fahrgast sieht es aus wie eine Uber-Tour; für den Betrieb ist es eine vermittelte Taxifahrt mit allem, was dazugehört - Taxameter, Tarif, Pflichtfahrgebiet.
Was Uber dafür nimmt, ist die entscheidende Frage, und genau hier wird es dünn. Das deutsche Fahrer-Hilfecenter bestätigt, dass für über die App getätigte Buchungen eine Gebühr erhoben wird, deren Prozentsatz je nach Produkt variiert. Auf den überprüften offiziellen Uber-Seiten ist jedoch kein konkreter Provisionssatz speziell für Hamburger Taxiunternehmen veröffentlicht. Es gibt keine Hamburger Preisliste im Stil von Free Now, die einen Prozentsatz beziffert.
Das ist keine Mutmaßung, sondern dokumentierter Befund: Wir wissen, dass Uber in Hamburg Taxis vermittelt. Wir wissen, dass eine Servicegebühr erhoben wird. Wir wissen nicht, wie hoch sie für das Hamburger Produkt Taxi ist. Wir wissen auch nicht, ob sie nach Fahrzeugart, Vertragspartner, Auslastung, Zahlungsart oder Kampagne gestaffelt ist. Branchenintern heißt es, es gebe Unterschiede - aber branchenintern ist keine überprüfbare Quelle.
Für Uber-Taxi in Hamburg liegt auf den überprüften offiziellen Seiten keine bezifferte Provision vor - die Angabe „variiert je nach Produkt" ist der einzige belegbare Hinweis.
Rechenbeispiel: Free Now mit und ohne App-Zahlung
Weil Uber keine Hamburger Zahl liefert, kann ein sauberer Vergleich nur eine Seite beziffern. Für Free Now sieht eine Tour mit 30 Euro Fahrbetrag so aus:
| Posten | Free Now mit App-Zahlung | Free Now mit Bargeld |
|---|---|---|
| Vermittlungsprovision | 3,90 € (13 % netto) | 3,90 € (13 % netto) |
| Zahlungsabwicklung | 0,60 € (2 % netto) | entfällt |
| Summe Plattformkosten | 4,50 € netto | 3,90 € netto |
Auf eine 50-Euro-Fahrt hochgerechnet: 6,50 Euro Provision plus 1,00 Euro Zahlungsabwicklung bei App-Zahlung, also 7,50 Euro netto. Bei Barzahlung 6,50 Euro netto. Der Unterschied zwischen Bar- und App-Zahlung sind auf 30 Euro genau 60 Cent, auf 50 Euro ein Euro - kleine Posten, die in der Schicht nicht auffallen, aber im Monat zusammenlaufen. Bei zehn Touren am Tag, von denen die Hälfte bargeldlos abgewickelt wird, reden wir schnell über 20 bis 30 Euro im Monat, die nur an der Zahlungsart hängen.
Bei Uber bleibt in derselben Tabelle für Hamburg nur ein Eintrag: nicht öffentlich beziffert. Das ist kein Vorwurf an Uber, sondern ein Faktum. Die Plattform veröffentlicht keinen Hamburger Prozentsatz, also lässt sich auch keine Spalte füllen, die einer Überprüfung standhalten würde.
Vertragliche Fallstricke, die selten auf dem Funk laufen
Drei Stellen im Free-Now-Rahmenvertrag entscheiden darüber, was nach Monatsende wirklich auf dem Konto landet.
Erstens: Provision auf die Stornierungsgebühr. Wer eine Tour nicht durchführen kann und dem Fahrgast die tarifliche Stornierungspauschale in Rechnung stellt, zahlt davon 13 Prozent an Free Now - plus 2 Prozent, wenn der Ausgleich bargeldlos läuft. Stornos entscheiden sich meist spontan am Standplatz oder über den Zentralfunk, nicht im Blick auf den Vertragstext. Auf das Jahr gerechnet summiert sich das, auch wenn es pro Fall klein wirkt.
Zweitens: Bereitstellungsgebühr und Mindestumsatz. Free Now behält sich beides vertraglich vor. In der überprüften Preisliste mit Stand Oktober 2024 sind keine konkreten Eurobeträge ausgewiesen. Hier hilft nur der Blick in den eigenen Vertrag, nicht in die öffentliche Liste. Wer Free Now ohne diese Prüfung anmeldet, läuft Gefahr, einen monatlichen Fixposten zu übersehen, der die Marge drückt, bevor die erste Tour läuft.
Drittens: Kampagne und 15-Tage-Frist. Free Now kann in einzelnen, gegebenenfalls nur an bestimmte Unternehmen gerichteten Aktionen von der Standardpreisliste abweichen. Die Bekanntgabe erfolgt schriftlich, und wer nicht binnen 15 Tagen schriftlich widerspricht, hat die Kampagne akzeptiert. Diese Frist läuft auch im Urlaub, im Krankenstand und in der Schichtwoche weiter. Wer nicht regelmäßig die Free-Now-Mitteilungen prüft, riskiert eine abweichende Provisionsregel, die erst auf der nächsten Abrechnung sichtbar wird.
Für Uber lässt sich zu alldem nichts Gleichwertiges schreiben, weil die vertraglichen Details für Hamburg nicht öffentlich vorliegen. Es ist plausibel, dass es auch dort Sonderbedingungen gibt - Mindestumsätze, Kampagnenrabatte, gestaffelte Sätze - aber ohne überprüfbare Quelle ist jede Aussage Spekulation.
Der Hamburger Taxitarif als eigene Rechnung
Provisionen lassen sich nur dann vergleichen, wenn der Taxitarif klar auf der anderen Seite der Gleichung steht. Seit dem 1. Februar 2025 gilt in Hamburg: 4,50 Euro Grundpreis, 2,70 Euro pro Kilometer bis 9 Kilometer, 2,00 Euro pro Kilometer ab dem zehnten Kilometer, 38,00 Euro pro Stunde Wartegeld. Diese Werte betreffen den Fahrgastpreis auf dem Taxameter und sind einschließlich gesetzlicher Mehrwertsteuer ausgewiesen.
Die Plattformprovision ist eine andere Rechnung. Sie wird auf den Fahrbetrag laut Tarif erhoben - also auf die Summe, die am Ende auf dem Taxameter steht. Sie wird nicht auf den Nettolohn des Fahrers erhoben, nicht auf den Unternehmeranteil, nicht auf die Fahrzeugkosten und nicht auf das Trinkgeld. Die Free-Now-Preisliste bezeichnet 13 und 2 Prozent ausdrücklich als netto; auf diese Beträge kommt zusätzlich Umsatzsteuer, die der Unternehmer an das Finanzamt abführt. Das ist ein Posten, der gerne mit der Mehrwertsteuer auf der Taxifahrt verwechselt wird - es sind aber zwei getrennte Steuern auf zwei getrennte Rechnungen.
Eine vollständige Vergleichsrechnung müsste berücksichtigen: Tarif, Provision, Zahlungsart, Kampagnenstatus, monatliche Fixkosten gegenüber der Plattform, Fahrzeugkosten, Trinkgeld und Schichtdauer. Ohne diese Angaben ist kein seriöser Nettoerlös pro Schicht darstellbar - das gilt für Free Now genauso wie für Uber. Wer diese Posten zusammenführt, kann eine ehrliche Marge ausweisen. Wer nur die Provision kennt und den Rest schätzt, baut sich eine Rechnung, die im Funk noch lange weitererzählt wird.
Was bleibt auf dem Funk
Der Vergleich fällt kürzer aus, als viele Kolleginnen es sich wünschen. Free Now liefert eine Hamburger Preisliste mit Stand Oktober 2024, beziffert 13 plus 2 Prozent und verpackt den Rest in einem Rahmenvertrag, der Storno, Fixkosten und Kampagnen regelt. Uber vermittelt lizenzierte Taxis in der Hansestadt, nennt aber für das Produkt Taxi keinen überprüfbaren Hamburger Prozentsatz. Beide Apps vermitteln seriös - aber nur eine beziffert, was sie dafür verlangt.
Wer als Taxiunternehmer entscheidet, welche App er als zweite dazulässt, sollte drei Dinge tun. Erstens: den eigenen Free-Now-Vertrag auf monatliche Bereitstellungsgebühr, Mindestumsatz und laufende Kampagnen prüfen, bevor eine Mitteilung im Briefkasten die 15-Tage-Frist auslöst. Zweitens: bei jeder Free-Now-Fahrt im Kopf behalten, ob bar oder App - die 2 Prozent Zahlungsabwicklung entscheiden auf Dauer zwischen schwarzer und weißer Zahl auf der Abrechnung. Drittens: bei Uber vor Vertragsschluss konkret nach dem Hamburger Provisionssatz fragen und sich die Antwort schriftlich geben lassen. Wer dort mit einer Unbekannten in der Provision fährt, fährt mit einem Risiko, das sich auf der Abrechnung erst am Monatsende zeigt.