Hamburgs grüne Ringe: Geheimtipps für Wege abseits der bekannten Straßen
Mit einer neuen Werbekampagne macht der Senat auf zwei wenig bekannte Routen aufmerksam: den 1. und den 2. Grünen Ring.
Lars Winkelmann·aktualisiert 21. August 2026

Die zwei grünen Ringe: Diese Routen kennen selbst Hamburger noch nicht
Laut t-online Hamburg handelt es sich um Wege durch Parks, Wälder und Naturschutzgebiete – einmal quer durch die Stadt, einmal weit um sie herum. Für das Taxigewerbe, das Hamburg aus der Fahrerkabine kennt, ist die Bewerbung dieser Routen weniger ein touristischer Hinweis als ein Indikator dafür, wo der Senat Prioritäten setzt – und wo er sie eben nicht setzt.
Die Routen, die der Senat bewirbt
Der 1. Grüne Ring folgt dem historischen Wallring auf rund acht Kilometern. Er beginnt und endet an den Landungsbrücken, führt über den Alten Elbpark und die Wallanlagen, durch Planten un Blomen, an Binnen- und Außenalster entlang, durch die östliche Innenstadt mit Hauptbahnhof, Kunsthalle und Deichtorhallen sowie über Speicherstadt und HafenCity zurück zur Elbe. Im 17. Jahrhundert schützten Befestigungsanlagen die Stadt; rund 200 Jahre später hatten sie ihre militärische Funktion verloren. Die frei gewordenen Flächen wurden nicht vollständig bebaut, sondern großteils als öffentlicher Freiraum gestaltet.
Der 2. Grüne Ring verläuft in etwa acht bis zehn Kilometern Entfernung vom Rathaus und ist als „Freizeitroute 11" ausgeschildert. Auf knapp 100 Kilometern verbindet er Altonaer Parklandschaften, Altonaer Volkspark, Niendorfer Gehege, Flughafenumfeld, Alsterlauf, Ohlsdorfer Friedhof, Bramfelder See, Wandse-Grünzug, Öjendorfer Park, Boberger Niederung, Eichbaumsee, die Elbinsel Kaltehofe, Veddel, Wilhelmsburg und den Harburger Stadtpark.
Beide Ringe sind Teil des „Grünen Netzes", das laut Senat Parks, Wälder, Gewässer, Kleingärten, Friedhöfe und Naturschutzgebiete mit zwölf Landschaftsachsen verknüpft. Die Routen verlaufen nicht ausschließlich im Grünen, sondern wechseln bewusst zwischen Natur und urbanem Raum.
Beworbene Natur, leere Ämter
Die Kampagne fällt in eine Phase, in der die Hamburger Bezirksämter nach NDR.de an der Belastungsgrenze arbeiten. Nahezu jede zehnte Stelle ist dem Bericht zufolge nicht besetzt; im Bürgerservice des Bezirks Hamburg-Nord fehlt demnach fast jede dritte. In der Abteilung Grundsicherung des Bezirksamts Hamburg-Mitte lag der Krankenstand in der ersten Jahreshälfte bei durchschnittlich rund 18 Prozent – gegenüber rund fünf Prozent in der Gesamtbevölkerung, wie die Krankenkasse DAK ausweist.
Die Linke sieht im Krankenstand eine Folge der Personalnot und fordert eine deutlich bessere Bezahlung. Der Senat hält dem entgegen, dass bereits mehr Personal eingestellt worden sei und weiter eingestellt werden solle; mit einer Zulage soll die Arbeit in den Bezirksämtern attraktiver werden. Ob diese Maßnahmen ausreichen, ist offen.
Was das für die Praxis heißt
Für Taxifahrerinnen und Taxifahrer in Hamburg sind die grünen Ringe kein touristisches Beiwerk. Sie führen durch Quartiere, in denen Funkaufträge entstehen und in denen die Konzessionsbehörden Genehmigungen, Rückmeldungen und Ausnahmebescheide liefern. Wenn Bezirksämter personell ausgedünnt sind, schlägt das auf die Bearbeitungszeiten durch – von der verlängerten Wartezeit auf einen neuen PBefG-Bescheid bis zur schleppenden Antwort auf eine verkehrsbehördliche Rückfrage.
Wer den 1. Ring kennt – Stintfang, Planten un Blomen, die Alsterufer, die Kunstmeile, Speicherstadt und HafenCity – hat im Schichtbetrieb schon heute einen Wissensvorsprung bei Hotel- und Messegästen. Der 2. Ring ist im täglichen Funkverkehr weniger relevant, erinnert aber daran, dass die Hansestadt auch jenseits der Hauptverkehrsadern ein Wegenetz unterhält, das bei Sperrungen der Elbbrücken oder der A7 als Ausweichroute dienen kann.
Die Bewerbung der beiden Ringe ändert daran nichts Grundsätzliches. Sie macht auf ein bestehendes, oft übersehenes Infrastrukturangebot aufmerksam. Ob der Senat die Verwaltung, die über diese Routen und die damit verbundenen Genehmigungen wacht, im gleichen Maß nachbesetzt, wird die nächste Konzessionsrunde zeigen.