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Warum trotz Konzessionsstopp plötzlich mehr Taxis durch Berlin fahren

Die Berliner Senatsverwaltung für Verkehr hat der dpa mitgeteilt, dass am 3. August 2026 gut 7.000 Taxis in der Hauptstadt gemeldet waren – 400 Fahrzeuge mehr als Mitte Februar, als der einjährige Genehmigungsstopp in Kraft trat.

Lars Winkelmann·aktualisiert 09. August 2026

Warum trotz Konzessionsstopp plötzlich mehr Taxis durch Berlin fahren

Berlin zählt 400 Taxis mehr – trotz Konzessionsstopp

Der Grund: ein gesetzlicher Nachholeffekt. Unternehmen steht nach bundesgesetzlichen Vorschriften ein halbes Jahr zur Verfügung, eine bereits erteilte Genehmigung auch tatsächlich vorzuführen. Fahrzeuge, die vor dem Stopp bewilligt, aber erst danach vorgeführt wurden, erscheinen infolgedessen verspätet in der Statistik. Dieser Effekt läuft nach Angaben des Senats Mitte August aus – erst dann lasse sich die tatsächliche Wirkung der Maßnahme ablesen.

Der Stopp adressiert das Symptom, nicht die Ursache

Der Berliner Senat begründet den einjährigen Konzessionsstopp mit einem Taxi-Überangebot, das viele Betriebe wirtschaftlich ruiniere. Die Nachfrage sinke seit Jahren, die Fahrzeugzahl sei aber kontinuierlich gestiegen. Die Befürchtung: Unternehmen könnten geltendes Recht brechen – etwa den Mindestlohn unterschreiten oder auf Schwarzarbeit setzen – um überhaupt noch tragfähige Umsätze zu erzielen.

Dass die Maßnahme allein nicht greift, illustriert ein strukturelles Problem: Mietwagenplattformen wie Uber und Bolt unterliegen der kommunalen Tarifpflicht nicht. Der Berliner Senat hat in der Vergangenheit hunderte Fahrzeuge mit fehlenden oder falschen Genehmigungen von den Plattformen entfernt. Die betroffenen Unternehmen weichen nun auf Landkreise wie Teltow-Fläming oder Dahme-Spreewald aus, lassen Fahrzeuge dort genehmigen und operieren weiterhin in der Hauptstadt. Free Now bestätigt, dass diese Praxis den Ordnungsversuch konterkariere. Die betroffenen Landkreise sprechen laut dpa-Bericht von anhaltenden kriminellen Geschäftspraktiken.

Waymo meldet sich zu Wort: autonome Taxis ab 2027

Parallel dazu zeichnet sich ein nächster Regulierungsdruck ab: Waymo, das Robotaxi-Unternehmen von Alphabet, plant nach Gründung der Waymo Germany GmbH den Einstieg in den deutschen Markt. Testfahrten zur Kartierung sollen 2026 in Berlin und München beginnen, der kommerzielle Regelbetrieb für 2027. Die befristeten Verträge für Testpersonal laufen über zwölf Monate, was den Zeitrahmen bestätigt. Eingesetzt werden soll die neueste Technologiegeneration, die derzeit nur für den Hyundai Ioniq 5 und den Zeekr RT verfügbar ist. Politiker hatten einen früheren Start ins Spiel gebracht, was Waymo dementierte.

Für das Hamburger Gewerbe ist das ein relevanter Zeithorizont. Der Personenbeförderungsmarkt verändert sich nicht nur über Tarifpflicht und Konzessionsrecht, sondern über Technologie, die bestehende Regulierungsrahmen – vom PBefG bis zur Genehmigungspraxis – vor neue Fragen stellt. Die Berliner Erfahrung zeigt: Moratorien allein ordnen den Markt nicht, solange die Regulierungslücken zwischen Taxi, Mietwagen und autonomen Systemen nicht geschlossen werden.