Autonome Shuttles von Moia starten Testphase in Hamburg
Zehn autonome VW ID. Buzz fahren seit dem 15. Juli kostenlos durch Winterhude, Barmbek und Wandsbek. Das Projekt ALIKE des Bundesverkehrsministeriums, gefördert mit 26 Mio.
Torben Kruse·aktualisiert 22. Juli 2026

Euro über 36 Monate, erprobt Ridepooling ohne Fahrer – vorerst noch mit Sicherheitspersonal an Bord. Für das Hamburger Taxigewerbe markiert der Testbetrieb einen messbaren technologischen Meilenstein.
Technische Ausstattung und Einsatzgebiet
Das Mobilitätsunternehmen Moia, eine Volkswagen-Tochter, setzt im ALIKE-Projekt auf das Self-Driving-System von Mobileye. Kameras, Radare und Lidare erzeugen eine 360-Grad-Umfelderkennung. Die Fahrzeuge sind auf SAE-Level 4 ausgelegt: Innerhalb eines definierten Betriebsbereichs übernimmt das System eigenständig die Fahrzeugführung.
Zum Start operieren bis zu zehn ID. Buzz in einem rund 37 Quadratkilometer großen Gebiet im Stadtzentrum. Fahrgäste mit ähnlicher Route teilen sich die Fahrt, steigen an virtuellen Haltepunkten ein und aus. Die Buchung erfolgt über die Moia-App, eine Integration in hvv-switch ist in Vorbereitung.
Im weiteren Verlauf sollen barrierefreie Holon-Mover mit bis zu 15 Sitzplätzen ergänzend eingesetzt werden. Das Kooperationsgeflecht umfasst neben Moia die Hamburger Hochbahn, Volkswagen Nutzfahrzeuge, den Hersteller Holon sowie das Karlsruher Institut für Technologie.
Testphase: Sicherheitsfahrer und Ausnahmesituationen
Während der aktuellen Phase sitzt in jedem Shuttle ein geschulter Sicherheitsfahrer. Die Betreiber bestätigen, dass Eingriffe vereinzelt vorkommen – etwa als ein Shuttle einen Zebrastreifen passieren wollte, während Fußgänger die Straße überquerten.
Moia führt neben Realfahrten gezielte Szenariotests durch, abgestimmt mit Polizei und Feuerwehr. Geprüft wird unter anderem das Verhalten bei der Bildung von Rettungsgassen. Ende 2026 ist der Übergang zu einem Betrieb mit reduziertem Fahrereingriff geplant. Ob und wann Fahrten vollständig ohne Sicherheitsfahrer stattfinden, hängt von den Genehmigungsbehörden ab.
Relevanz für das Taxigewerbe
Das Projekt positioniert autonome Shuttles explizit als Ergänzung zum klassischen ÖPNV – nicht als Ersatz. Die Fahrzeuge sollen Lücken im Nahverkehrsnetz schließen: Gebiete mit dünnem Angebot oder außerhalb klassischer Taktzeiten als flexible Zubringer zu Hauptlinien bedienen.
Parallel dazu zeigt ein aktueller Vorfall in den USA, dass die Technologie noch Unsicherheiten birgt. Tesla gab in einem Unfallbericht für die US-Behörde NHTSA erstmals einen menschlichen Teleoperator als Verursacher eines Robotaxi-Crashes an. Der Schaden blieb gering, doch der Fall wirft Fragen zur Fernsteuerung autonomer Fahrzeuge auf.
Was Taxifahrer prüfen sollten:
- Überlappen sich die ALIKE-Betriebsgebiete mit eigenen Stammstrecken?
- Welche Zubringer-Funktion ergibt sich für Hauptbahnhof, Flughafen oder Fährterminals?
- Ab wann könnte ein genehmigter Fahrerbetrieb ohne Sicherheitspersonal Realität werden?