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Warum Hamburgs Carsharing-Flotte massiv schrumpft

Der Bestand an Carsharing-Fahrzeugen in Hamburg ist seit 2024 um rund 32 Prozent gesunken.

Lars Winkelmann·aktualisiert 07. August 2026

Warum Hamburgs Carsharing-Flotte massiv schrumpft

Laut einer Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage standen der Hansestadt im ersten Halbjahr 2026 noch 3.289 solcher Autos zur Verfügung, nach 5.187 im selben Zeitraum 2024. Diese Entwicklung markiert eine signifikante Verschiebung im Mobilitätsmarkt, die für das Taxi-Gewerbe die Konkurrenzsituation auf der Straße unmittelbar verändert.

Marktstruktur unter Druck: Miles schrumpft, E-Ziele verschoben

Der Rückgang ist maßgeblich auf den marktbeherrschenden Anbieter Miles zurückzuführen, der seine Flotte in Hamburg allein zwischen Mai 2025 und Mai 2026 von 3.336 auf 2.381 Fahrzeuge reduzierte – ein Minus von knapp 29 Prozent. Miles spricht von einer bewussten Konsolidierung nach Jahren des Wachstums und betont die hohe Flottenauslastung als Ziel. Parallel dazu hat der Senat das ursprüngliche Ziel, bis 2024 mindestens 80 Prozent der Carsharing-Flotte zu elektrifizieren, auf das Jahr 2030 gestreckt. Der Anteil der E-Fahrzeuge liegt aktuell bei 51 Prozent, was allerdings vor allem auf die stärkere Reduzierung von Verbrennern zurückzuführen ist. Die absolute Zahl der E-Carsharing-Autos ist im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht gesunken.

Widerspruch: Weniger Autos, mehr Buchungen

Paradoxerweise steigen die Nutzungszahlen über die integrierte HVV-Switch-App an. Von 32.000 Buchungen im ersten Halbjahr 2024 erhöhte sich die Zahl auf 35.000 im ersten Halbjahr 2026. Dies deutet darauf hin, dass die verbleibende Flotte intensiver genutzt wird. Für Taxifahrer ist dies ein relevanter Indikator: Die vermeintliche Schwäche des Carsharing-Marktes relativiert sich durch eine höhere Auslastung der verbliebenen Fahrzeuge. Die durchschnittliche Fahrstrecke von sieben Kilometern bleibt konstant und liegt damit im typischen urbanen Kurzstreckenbereich, in dem Taxis traditionell stark sind.

Regulatorische Lücke und praktische Konsequenzen

Die Verkehrsbehörde hält die Rahmenbedingungen mit rund 220 HVV-Switch-Punkten für unverändert. Entscheidend für die Praxis ist jedoch der Rückzug von Anbietern und der Abbau von Überkapazitäten im Free-Floating-Bereich. Der Bundesverband Carsharing spricht von einer bundesweiten Konsolidierung um 4,9 Prozent im Vorjahr. Für das Taxi-Gewerbe bedeutet der Rückgang potenziell weniger direkte Konkurrenz auf der Straße, aber auch eine Verfestigung der verbleibenden, effizienter arbeitenden Anbieter. Die Entwicklung zeigt, dass der Carsharing-Markt in eine neue, konsolidierte Phase eintritt, in der Auslastung vor Expansion steht. Die nächste Herausforderung für alle Anbieter, einschließlich Taxi, bleibt die Integration in das multimodale Netzwerk rund um die HVV-Switch-Punkte.