MobiHam 2026: Was die neue Mobilitätsstudie für Hamburger Taxifahrer bedeutet
Nach Angaben der Hamburger Behörde für Verkehr und Mobilitätswende hat die Stadt die Mobilitätserhebung „MobiHam 2026“ gestartet.
Lars Winkelmann·aktualisiert 27. August 2026

Dabei sollen 50.000 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger Angaben zu ihrem alltäglichen Verkehrsverhalten machen. Für das Hamburger Taxigewerbe ist die Erhebung deshalb relevant, weil ihre Ergebnisse in die Verkehrsplanung einfließen sollen; ob Taxifahrten dabei eigenständig sichtbar werden, lässt die Ankündigung jedoch offen.
50.000 zufällig ausgewählte Personen
Die Auswahl erfolgt aus dem Einwohnermelderegister der Stadt Hamburg. Die Betroffenen werden per Post eingeladen, möglichst alle Haushaltsmitglieder sollen sich an der Befragung beteiligen. Die Teilnahme ist freiwillig und kann online, telefonisch oder per Papierfragebogen erfolgen.
Der Befragungszeitraum umfasst das gesamte Kalenderjahr 2026. Die Einladungen werden nicht gleichzeitig verschickt, sondern an zufällig ausgewählten Zeitpunkten. Mit der Einladung erhalten die Personen beziehungsweise ihre Haushalte einen bestimmten Berichtstag. An diesem Tag sollen sämtliche Wege erfasst werden, auch wenn jemand nicht in Hamburg oder überhaupt nicht außer Haus unterwegs war. Ergänzend fragt die Untersuchung danach, wie die Hamburgerinnen und Hamburger üblicherweise unterwegs sind und welche Verkehrsmittel ihnen zur Verfügung stehen.
MobiHam 2026 setzt damit die Erhebung von 2022 fort; außerdem hatte sich Hamburg 2023 an der bundesweiten Studie „Mobilität in Deutschland“ beteiligt. Nach Darstellung der Behörde sollen die Daten die langfristige Beobachtung des Mobilitätsverhaltens ermöglichen. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Verkehr. Die Stadt Hamburg trägt die datenschutzrechtliche Verantwortung, die Durchführung liegt beim infas-Institut.
Die offene Taxi-Frage
Die Behörde nennt als Untersuchungsschwerpunkte die genutzten Verkehrsmittel, die Häufigkeit und Dauer der Wege sowie deren Zweck. Außerdem soll bewertet werden, wie die Situation für Bus und Bahn, Fahrrad, Auto und das Zufußgehen eingeschätzt wird. Eine ausdrücklich benannte Kategorie für Taxifahrten enthält die vorliegende Mitteilung nicht.
Genau hier liegt die politische und betriebliche Schwierigkeit. Aus einer allgemeinen Mobilitätserhebung lässt sich nicht ohne Weiteres ableiten, welche Rolle das Taxi im Hamburger Gesamtverkehr spielt. Das ist keine Feststellung, dass Taxifahrten nicht erfasst würden, sondern zunächst eine Lücke in der veröffentlichten Beschreibung. Weder eine gesonderte Taxiauswertung noch eine Rücklaufquote, eine Gewichtung der Antworten oder ein konkreter Zeitpunkt für die spätere Veröffentlichung werden in der Mitteilung genannt.
Für Taxiunternehmen folgt daraus eine nüchterne Regel: MobiHam sollte nicht als bereits vorliegender Nachweis für die Nachfrage nach Taxifahrten oder als Beleg für branchenspezifische politische Entscheidungen verwendet werden. Bis eine getrennte Auswertung vorliegt, müssen eigene betriebliche Unterlagen die belastbare Grundlage bleiben. Die kommunale Verkehrsplanung wiederum sollte bei der späteren Darstellung der Ergebnisse transparent machen, ob und in welchem Umfang Taxi als eigene Verkehrsart erkennbar ist.
Teilnahme bleibt freiwillig
Die datenschutzrechtlichen und organisatorischen Vorgaben sind ungewöhnlich klar beschrieben. Die Studie folgt den Regeln der Datenschutz-Grundverordnung, eine Nichtteilnahme soll keine Nachteile auslösen. Auch nach einer Teilnahme können Betroffene der Verwendung ihrer Angaben widersprechen. Die Daten sollen ausschließlich Zwecken der Verkehrsplanung und Forschung dienen.
Für die Praxis bedeutet das: Eine Einladung zur Teilnahme ist kein belastbarer Hinweis auf eine allgemeine Auskunftspflicht des Taxigewerbes oder einzelner Fahrer. Die Behörde beschreibt eine freiwillige Befragung ausgewählter Personen und Haushalte. Weder Taxiunternehmen noch Beschäftigte werden als eigene Gruppe zur Mitwirkung verpflichtet.
Damit ist MobiHam 2026 zunächst eine Datenerhebung und noch keine Entscheidung über konkrete Maßnahmen für das Taxigewerbe. Die politische Ankündigung einer zielgerichteten Verkehrsplanung lässt sich erst anhand der späteren Auswertung beurteilen. Solange die Stadt keine eigenständige Taxiperspektive offenlegt, bleibt der praktische Nutzen für Hamburger Taxiunternehmen begrenzt. Die entscheidende Frage wird sein, ob aus der allgemeinen Mobilitätsstatistik belastbare und für das Gewerbe verwertbare Erkenntnisse hervorgehen.