Wenn das Taxameter schweigt: Lehren aus den Kontrollen in Hongkong
Die Verkehrspolizei von Hongkong Island hat am vergangenen Freitag in einem koordinierten Einsatz im zentralen Stadtteil Central zwei Taxifahrer wegen systematischer Manipulation der Anzeigepflichten und Fahrgastselektion zur Rechenschaft gezogen.
Lars Winkelmann·aktualisiert 22. August 2026

Zwei Taxifahrer in Hongkong erwischt: Fahrgäste selektieren, Taxameter verdecken
Die Beamten stellten dabei nicht nur Verstöße gegen die Anzeigepflicht des Taxameters fest, sondern auch das gezielte Verbergen der Fahreridentifikation sowie Mängel an der Fahrzeugtechnik. Für das Hamburger Gewerbe ist der Vorfall weniger eine ferne Anekdote als vielmehr ein instruktives Beispiel dafür, wie konsequente Kontrolle aussehen kann – und welche Praktiken auch hierzulande immer wieder für Ärger sorgen.
Der Einsatz: Garden Road und Wyndham Street
Gegen 19 Uhr am Freitagabend observierten Beamte des Central District Traffic Team einen Taxi-Stand vor der Peak-Tram-Station in Admiralty. Dort blockierte ein Taxi die vordere Position des Standes, während der Fahrer das Taxameter-Display so manipulierte, dass die Verfügbarkeit des Fahrzeugs nicht erkennbar war. Ziel war offenbar, gezielt bestimmte Fahrgäste auszuwählen und andere Taxis am Heranfahren an den Stand zu hindern. Der 69-jährige Fahrer wurde am Steuer kontrolliert und erhielt eine Vorladung vor Gericht. Quellen nahe der Behörde zufolge ist dem Mann eine dokumentierte Vorgeschichte von Überforderungen bei der Fahrpreisberechnung zuzuschreiben. Ein zweiter Fahrer, 31 Jahre alt, wurde auf der Wyndham Street aufgegriffen; auch ihm werden mehrere Verstöße zur Last gelegt, darunter das Fehlen des vorgeschriebenen Fahrerausweises in der dafür vorgesehenen Halterung sowie Verstöße gegen Vorschriften zum äußeren Erscheinungsbild. Beide Fahrzeuge wiesen darüber hinaus technische Mängel auf und wurden abgeschleppt.
Was das Gewerbe hier mitnehmen kann
Die Praktiken, die in Hongkong jetzt geahndet werden – Taxameter verdecken, Fahrgäste nach lukrativen Strecken selektieren, Fahreridentifikation verbergen –, sind keine Spezialität des asiatischen Raums. Auch in Hamburg kursieren regelmäßig Beschwerden über Fahrer, die am Bahnhof oder am Flughafen gezielt kurze Strecken ablehnen oder deren Taxameteranzeige aus „technischen Gründen" nicht ablesbar ist. Der Unterschied liegt in der Durchsetzungsdichte: Während die Hongkonger Polizei einen koordinierten Einsatz mit Observationsphase, Fahrzeugabschleppung und gerichtlicher Vorladung durchführt, beschränken sich Kontrollen im Hamburger Taxigewerbe häufig auf punktuelle Stichproben. Die Konsequenz ist freilich dieselbe: Wer das Vertrauen der Fahrgäste in die Reguliertheit des Marktes untergräbt, schadet dem gesamten Gewerbe. Die in Hongkong dokumentierte Vorgeschichte des 69-jährigen Fahrers zeigt dabei ein Muster, das auch hierzulande bekannt ist – Wiederholungstäter, die trotz bekannter Verstöße weiter im Einsatz bleiben, solange die Kontrollen lückenhaft sind. Ob die Hamburger Behörden aus solchen internationalen Beispielen Anlass nehmen, die eigene Prüfdichte zu erhöhen, bleibt abzuwarten. Die rechtlichen Grundlagen jedenfalls liegen mit der BOKraft und den länderspezifischen Taxiverordnungen vor.