Warum die C-Rate für Elektro-Taxis wichtiger ist als reine Kilowatt-Angaben
Die sogenannte C-Rate, wie heise online berichtet, ist einer von drei zentralen Parametern, die die Ladegeschwindigkeit von Traktionsbatterien in Elektroautos vergleichbar machen.
Lars Winkelmann·aktualisiert 05. August 2026

C-Rate: Die Kennzahl, die im Taxigewerbe bislang kaum eine Rolle spielt – obwohl sie sollte
Gemeinsam mit der maximalen Ladeleistung in Kilowatt und der Reichweite, die in zehn Minuten nachgeladen werden kann, bildet sie den Rahmen der ISO/SAE-Norm 12906 – jene Spezifikation, der einige Hersteller bereits folgen. Für ein Gewerbe, das auf kurze Standzeiten am Ladeinfrastrukturpunkt angewiesen ist, verdient diese Kennzahl mehr Aufmerksamkeit, als ihr bisher zuteilwird.
Was die C-Rate eigentlich misst
Eine C-Rate von 1 bedeutet, dass eine Batterie innerhalb einer Stunde vollständig von null auf 100 Prozent geladen werden kann. Daraus ergibt sich eine einfache Skala: 2C entspricht dreißig Minuten, 4C einer Viertelstunde. Der chinesische Batteriekonzern CATL, weltweit der größte Hersteller in diesem Segment, wirbt mit einer Ladezeit von zehn auf 80 Prozent in drei Minuten und 44 Sekunden und beziffert dies mit rund 10C. Mathematisch betrachtet entspräche die beworbene Zeitspanne eher 11C, was exakt drei Minuten und 49 Sekunden ergäbe – eine Unschärfe, wie sie in der Zulieferindustrie durchaus dokumentiert ist. Obgleich solche Differenzen marginal erscheinen, illustrieren sie ein grundsätzliches Problem: Zwischen den auf Messen präsentierten Spitzenwerten und der Realität im Alltagsbetrieb klafft eine Lücke, die im gewerblichen Einsatz messbare Kosten verursacht.
Was das für den Taxibetrieb in der Praxis bedeutet
Die entscheidende Frage für Taxiunternehmer lautet nicht, welchen Rekord CATL nächstes Jahr präsentiert, sondern wann eine C-Rate jenseits von 4C auch in Fahrzeugen Realität wird, die als Konzessionsfahrzeuge zugelassen sind und im Dauerbetrieb bestehen müssen. Im heise-Bericht wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Wirklichkeit der Alltagsfahrzeuge ein gutes Stück von den Ankündigungen entfernt sei. In China herrsche infolge einer Kombination aus Kapitalismus und autoritärem Parteienstaat ein extremer Wettbewerb zwischen Batterieherstellern, der jährliche Rekordpräsentationen als Machbarkeitsdemonstrationen hervorbringe. Demnach ist nicht die Frage ob, sondern wann diese Ladegeschwindigkeiten marktreif werden – doch bis dahin bleiben Betreiber auf die gegenwärtig verfügbaren Systeme angewiesen, die je nach Fahrzeug und Ladepunkt deutlich unter 2C liegen.
Normierung als einziger belastbarer Anker
Dass die drei genannten Parameter zusammen einen normativen Rahmen bilden, ist der eigentliche relevante Punkt für das Gewerbe: Solange Hersteller ihre Ladegeschwindigkeiten nach unterschiedlichen, nicht unmittelbar vergleichbaren Metriken kommunizieren, bleibt eine fundierte Flottenentscheidung eine Übung in Interpretation. Die ISO/SAE 12906 böte eine gemeinsame Sprache – sofern sie konsequent angewendet würde. Taxiunternehmer, die derzeit Elektrofahrzeuge in ihre Flotte aufnehmen, sollten bei Beschaffungsgesprächen gezielt nach der C-Rate des verbauten Batteriesystems unter realen Bedingungen fragen und diese Kennzahl mit den Angaben zur maximalen Ladeleistung in kW sowie zur tatsächlich nachgeladenen Reichweite innerhalb von zehn Minuten abgleichen. Alles andere ist Spekulation auf Basis von Pressemitteilungen.